Geschichte

Entstehung von Leopoldsdorf 

Leopoldsdorf wird urkundlich erstmals um 1200 als Luipolzdorf erwähnt. Besitzer war kein geringerer als der letzte Babenbergerherzog Friedrich der Streitbare II. Dieser schenkte das Gut Lenpoldsdorf bei Lachse (das heutige Laxenburg) dem berühmten Minnesänger Ritter Tannhäuser. Nach einiger Zeit hatte er alles verpfändet und musste als fahrender Sänger in die Welt ziehen. Im Jahre 1293 ging das Schloss in den Besitz Ortulf von Leupolzdorf über.

Im 15. Jahrhundert wurde Leopoldsdorf von Raubrittern besiedelt. Im 16. Jahrhundert hieß der neue Besitzer Ruprecht Creuzer. Er gehörte der bekannten krainischen Ritterfamilie an, die im 14. Jahrhundert nach Österreich eingewandert war. 1523 erwarb Marcus von Beckh das Schloss Leopoldsdorf. Er war Doktor der Rechte bei Erzherzog Ferdinand und Kammerprocurator in Niederösterreich. Bei der Türkenbelagerung von Wien 1529 war er oberster Proviantmeister. Er verbesserte und vergrößerte seine Besitzung in Leopoldsdorf.

1600 wurde Leopoldsdorf an eine ungarische Familie verkauft. 1683 wurde Leopoldsdorf durch die zweite Türkenbelagerung von Wien verwüstet.

Im 18. Jahrhundert besteht der Ort Leopoldsdorf aus dem Schloss, einer Mühle, einer Brauerei und einer Gastwirtschaft. Leopoldsdorf hatte eine eigene Landesgerichtsbarkeit. Im Schloss gab es auch ein Gefängnis. Der Landesgerichtsverwalter konnte auch Todesurteile verhängen.

Viele Türme zierten die Wasserburg, die von einem doppelten Graben umgeben war. Das Hauptgebäude wurde später mehrmals umgeändert.

Im 19. Jahrhundert war Erzherzog Karl, der Sieger in der Schlacht von Aspern, Besitzer des Schlosses, später unter anderem Georg Heinrich Ritter Mautner Markhof, Baron Emmerich Waechter und Familie Mantz. Heute gehört das Schloss der Lifestyle Realbesitz-Verwertungsges.m.b.H. & Co KG. Beim Schloss befindet sich auch ein Reitstall.

Ziegelindustrie 

1831 wohnten in Leopoldsdorf 66 Familien mit 263 Einwohnern. Durch Ansiedlungen der Ziegelindustrie in Leopoldsdorf entstanden viele neue Arbeitsplätze. Immer mehr Menschen aus Ungarn und Böhmen strömten zu. Sie waren aber nur in der Saison hier, im Herbst fuhren sie wieder in ihre Heimat zurück. Das Bild des Ortes änderte sich. Gut und Brauerei traten zurück, die bäuerlichen Anwesen verschwanden. Die Hauptstraße verwandelte sich in eine Geschäftsstraße.

Eine Volkszählung aus dem Jahre 1891 ergab 55 Hausnummern mit 1871 Bewohnern. 1893 wurde ein neues Ziegelwerk gebaut. Eine weitere Volkszählung im Jahre 1900 ergab, dass sich in Leopoldsdorf 69 Häuser mit 1215 Personen befanden, davon bekannten sich 104 zur deutschen, 379 zur böhmischen und 232 zur ungarischen Sprache.

1901 gingen die Geschäfte am Ziegelwerk zurück, so dass viele Arbeiter entlassen werden mussten und mit ihren Familien nach Böhmen zurückkehrten. 1905 wurden die Ziegelwerke von J. und A. Dachler in eine Aktiengesellschaft umgewandelt. 1921 streikten die Arbeiter der Aktiengesellschaft Wiener Ziegelwerke Leopoldsdorf und der ZIAG Leopoldsdorf. Sie forderten eine Gehaltserhöhung.

Heute werden in Leopoldsdorf keine Ziegel mehr hergestellt.

Für die Ziegelarbeiter wurden Wohnungen errichtet, wovon heute noch einige erhalten sind und bewohnt werden, unter anderem das Haus AG 34.

Wiener Neustädter Kanal

1799 wurde zum ersten Mal der Wiener Neustädter Kanal schriftlich erwähnt. Eine belgische Handelsgesellschaft erbaute ihn. Dadurch wurde die Ziegelindustrie belebt. Der Kanal wurde von Schleppkähnen, die von Pferden gezogen wurden, befahren. Auf diese Weise wurden die Ziegel aus Leopoldsdorf in andere Orte gebracht. An Sonntagen fuhren die Adeligen mit reich geschmückten Kähnen nach Laxenburg. Leopoldsdorf war ein bekannter Anlegeplatz, um die Pferde zu wechseln. In der Nähe des Kanals befand sich auch eine Gastwirtschaft, wo man übernachten konnte. Dort befand sich auch ein Haus, das vom Kanalaufseher und vom Eismann bewohnt war. Da es früher kein Kunsteis gab, holten sich die Großkaufleute das Eis vom Wiener Neustädter Kanal. Der Eismann hackte das Eis auf, wog es ab und verkaufte es. Den Betrag musste er an die Gemeinde abliefern. Der Aufseher sorgte für die Reinigung des Kanals.

Heute dient der Kanaldamm im Winter als Rodelhügel.